Mythos Copyright – Teil 2: © in Deutschland - Pflicht oder Kür?

Nachdem im ersten Teil der Beitragsreihe „Mythos Copyright“ die Bedeutung und der Hintergrund des Copyright erklärt wurde, geht der zweite Teil der Frage nach, warum auch trotz automatischer Entstehung von Urheberrechten ein Vermerk hilfreich und zum Teil auch notwendig sein kann.

Was passiert ohne Copyright-Hinweis?

Nichts! Da das Urheberrecht mit Entstehung des Werks automatisch entsteht, verliert man keine Rechte, wenn man kein © an seine Leistung anbringt. Mit dem Hinweis können gleichwohl Vorteile verbunden sein!

 

1. Urheberschaft wird vermutet
Wird gegen das Urheberrecht verstoßen, muss grundsätzlich der Urheber seine Rechte an dem Werk nachweisen. Gemäß § 10 UrhG gilt in diesem Zusammenhang jedoch die Vermutung, dass derjenige, der „in üblicher Weise“ als Urheber auf dem Werk bezeichnet ist, auch tatsächlich der Urheber ist.
Beispiel: Wer das Portrait unterzeichnet, gilt als Urheber! Ohne eine solche Bezeichnung müsste der Urheber auf andere Art und Weise seine Urheberschaft nachweisen, wenn er Ansprüche geltend machen will.
Achtung: Die Vermutung bezieht sich ausschließlich auf die Urheberschaft. Nicht aber auch darauf, ob das Werk an sich überhaupt urheberrechtlichen Schutz genießt (die Schöpfungshöhe erreicht)

2. Schadensersatzansprüche
Werden die Urheberrechte des Künstlers verletzt, kann dieser u.a. Schadensersatz gemäß § 97 UrhG verlangen. Wer also feststellt, dass seine Bilder unberechtigt auf fremden Internetseiten verwendet werden („Bilder-Klau“) kann neben Unterlassung der Veröffentlichung, auch Schadessersatz verlangen. In der Praxis werden hier häufig fiktive Lizenzgebühren geltend gemacht!
Achtung: Schadensersatz setzt, anders als Unterlassungsansprüche, immer Verschulden in Form von Fahrlässigkeit oder Vorsatz voraus. Fahrlässig handelt, wer die erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat.
Ausreden wie: „Ich dachte man darf das verwenden!“ oder „Das stand ja nicht dran“ können mit Hilfe das Copyright-Hinweises leicht ausgeräumt werden. Es kann sogar unterstellt werden, dass, wer trotz des Hinweises die Bilder benutzt, vorsätzlich handelt! Vorsatz erhöht in der Regel den Schadensersatzanspruch. Hierin besteht ein weiterer nicht zu unterschätzender Vorteil!

3. Strafrecht
Neben den zivilrechtlichen Ansprüchen auf Unterlassung, Beseitigung, Schadensersatz etc. sieht das UrhG auch strafrechtliche Konsequenzen vor.

Gemäß § 106 UrhG wird mit Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich ein Werk unerlaubt vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt.
Wie beim Schadensersatz, kann auch hier bei Verstößen trotz Vermerk Vorsatz unterstellt werden. Mithin ist der „Bilder-Klau“ dann zugleich auch noch eine Straftat.

 

4. psychische Wirkungen
Neben den rechtlichen Aspekten, darf auch die psychische Wirkung eines Copyright-Vermerks nicht unterschätzt werden. Insbesondere junge Start-Ups, Webdesigner, Künstler, Musiker und CO. konzentrieren sich in der Regel auf ihr eigentliches Können und kümmern sich häufig nicht um rechtliche Fragen. Vielfach besteht auch der Mythos, dass ohne Hinweis alles erlaubt sei. Das dem nicht so ist, wurde bereits dargestellt. Folglich kann der Hinweis diesen Irrglauben ausräumen und Verstöße zumindest zum Teil verhindern. Werden zudem noch (im Impressum) die Folgen von Verstößen erklärt, kann dies abschreckende Wirkung haben.


Wo genau muss die Kennzeichnung erfolgen um die Vorteile nutzen zu können? Dies wird im dritten und letzten Teil der Themenreihe „Mythos Copyright“ erklärt!

 

Fazit

Auch wenn das Urheberrecht automatisch entsteht, kann der Hinweis oder das Symbol © viele Vorteile für den Urheber mit sich bringen.

 

Bei Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung!

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